Frankfurt (Oder), Deutschland

Aktueller City Guide mit Kurzinfos, Reisen, Business und Kultur.

Überblick

Frankfurt (Oder) ist das kleinere der beiden deutschen Frankfurts — eine 57.000-Einwohner-Universitätsstadt an der polnischen Grenze in Ostbrandenburg, mit der polnischen Schwesterstadt Słubice am anderen Oderufer und geprägt von der Europa-Universität Viadrina, der Backsteingotik der Marienkirche und dem Geburtsort Heinrich von Kleists.

Deutsch-polnische Doppelstadt

Freie Fußgängerquerung nach Słubice über die Stadtbrücke, gemeinsame Buslinien, das zweisprachige Festival Unithea und der einfachste internationale Grenzspaziergang Europas — zehn Minuten vom deutschen Markt zum polnischen.

Europa-Universität Viadrina

Die 1506 gegründete und 1991 als binationale Hochschule wieder eröffnete Universität mit drei Fakultäten, 6.000 Studierenden und dem Collegium Polonicum als Schwester-Campus auf der Słubicer Seite. Kompaktes historisches Hauptgebäude an der Großen Scharrnstraße.

Marienkirche und Backsteingotik

Eine der größten norddeutschen Backsteingotik-Hallenkirchen, mit dem 1370er-Glasfensterzyklus, der 2002-2008 aus Sankt Petersburg zurückkehrte, dem siebentonnenschweren mittelalterlichen Leuchter und dem Hans-Hauberg-Altar — Pfarrkirche und Konzertsaal in einem.

Heinrich-von-Kleist-Erbe

Das Kleist-Museum im Geburtshaus des Dramatikers an der Faberstraße, die Dauerausstellung 'Rätsel. Kämpfe. Brüche' zu Leben und Werk 1777-1811, die Familiensonntage und die jährlichen Kleist-Tage im Oktober.

Konzerthalle und C.-P.-E.-Bach-Tradition

Die Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach in der mittelalterlichen Franziskanerkirche, das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt mit etwa 40 Konzerten im Jahr, die Bach-Festwochen und das Kleist-Forum als Schauspiel- und Musikbühne.

Helenesee, Odertal und Märkische Schweiz

Der Helenesee als geflutete ehemalige Tagebau fünf Kilometer südlich für Bade- und Segelausflüge, der Naturpark Märkische Schweiz mit Brechts Sommerhaus im Norden und der Oder-Neiße-Radweg entlang des Flusses.

Geschichte

Frankfurt (Oder) wurde 1253 von Markgraf Johann I. von Brandenburg als Handelsstadt an der Berlin-Posener Route gegründet und gehörte ab 1430 zur Hanse. Die ursprüngliche Universität Viadrina eröffnete 1506 als erste Hochschule Brandenburgs und bildete drei Jahrhunderte lang Reformationstheologen und preußische Beamte aus, bevor sie 1811 aufgelöst wurde. Die industrielle Phase brachte Textilfabriken, Stahl und das Halbleiterwerk zu DDR-Zeiten. Im April 1945 wurde das Stadtzentrum in den Kämpfen zwischen sowjetischer Roter Armee und Wehrmacht-Resten verwüstet; die Marienkirche brannte aus und stand jahrzehntelang ohne Dach. Die Potsdamer Konferenz legte die deutsch-polnische Nachkriegsgrenze an die Oder, die Vorstadt Słubice fiel an Polen. Der Wiedervereinigung 1990 folgte 1991 die Neugründung der Europa-Universität Viadrina als binationale deutsch-polnische Hochschule — die heute prägende Identität. Die mittelalterlichen Glasfenster der Marienkirche, 1946 nach Sankt Petersburg verbracht, kehrten 2002 und 2008 in zwei Tranchen nach Frankfurt (Oder) zurück.

Kultur

Die Frankfurter Gastronomie ist klein, aber grenzüberschreitend geprägt. Auf der deutschen Seite stehen brandenburgische Klassiker auf der Karte — Knieperkohl als regionale Sauerkraut-Variante, Buletten als berlinisch-brandenburgische Hackfleischbällchen, Bockwurst und Fisch aus der Oder; die polnische Seite zehn Minuten über die Stadtbrücke bietet günstigere Pierogi, Żurek und Bigos in den Słubicer Restaurants. Der Wochenmarkt am Brunnenplatz und die Cafés entlang der Karl-Marx-Straße decken den Alltag ab; internationale Küche spiegelt das Viadrina-Studierendenmilieu (vietnamesisch, türkisch, italienisch). Feste: Festival Unithea (deutsch-polnisches Theaterfestival, Juni), Kleist-Tage (Heinrich-von-Kleist-Festwoche, Oktober), Frankfurter Bachwochen (Bach-Festzyklus), Hanse-Festival (mittelalterlich-hanseatischer Markt im Sommer), Weihnachtsmarkt am Brunnenplatz (Ende November bis Dezember). Museen: Kleist-Museum, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst (Rathaushalle und Packhof), Museum Junge Kunst, Marienkirche als Kirchenmuseum.

Praktisches

Sicherheit: Frankfurt (Oder) ist allgemein sicher und ruhig, mit den üblichen kleinstädtischen Vorkehrungen. Nur das unmittelbare Umfeld des Hauptbahnhofs ist nachts mit etwas Vorsicht zu betreten. Die Stadtbrücke nach Słubice ist 24 Stunden offen; ein Lichtbildausweis sollte mitgeführt werden, auch wenn er selten kontrolliert wird. Notrufnummern: 112 (EU), 110 (Polizei). Sprache: Deutsch ist Arbeitssprache. Polnisch wird im Zentrum durch den täglichen Grenzverkehr breit gesprochen; Viadrina-Studierende bringen Englisch, Polnisch, Russisch, Ukrainisch und Chinesisch in den Alltag. Ältere Bewohnerinnen und Bewohner haben oft Russisch als zweite Schulsprache aus DDR-Zeiten. Die Tourist-Information am Brunnenplatz hält Broschüren auf Englisch und Polnisch bereit. Währung: Euro auf der deutschen Seite, polnischer Złoty auf der polnischen Seite jenseits der Stadtbrücke. Viele Geschäfte in der unmittelbaren Grenzzone akzeptieren beides informell, doch die offizielle Bank- und Geschäftsinfrastruktur arbeitet jeweils in der Landeswährung. Karten- und kontaktloses Bezahlen sind auf der deutschen Seite üblich; in den kleineren Geschäften Słubices ist Bargeld noch üblicher.
Reiseüberblick

Frankfurt (Oder) liegt an der Oder an der deutsch-polnischen Grenze, eine Bahnstunde östlich von Berlin und seit 1991 staatsvertraglich mit Słubice auf der polnischen Flussseite verbunden. 1253 als Hansestadt und Wegestation auf der Berlin-Posener Handelsroute gegründet, prägen heute drei Institutionen die Stadt: die Europa-Universität Viadrina (ursprünglich 1506, 1811 aufgelöst, 1991 als deutsch-polnisch-osteuropäische Hochschule mit dem Schwesterstandort Collegium Polonicum auf der Słubicer Seite neu gegründet), die backsteingotische Marienkirche mit ihren mittelalterlichen Glasfenstern, die 2002 nach sechzig Jahren aus der Sankt Petersburger Eremitage zurückkehrten, und das Kleist-Museum im Geburtshaus des Dramatikers Heinrich von Kleist (1777-1811). Die Stadtbrücke nach Słubice ist der einfachste Grenzübergang Europas — Fußgängerinnen und Fußgänger queren unter Schengen frei, zweisprachige Beschilderung und gemeinsame Buslinien verwischen die Grenze, die die Oder einst bedeutete. Die Viadrina ist die prägende Einrichtung: 6.000 Studierende aus mehr als 80 Ländern, drei Fakultäten (Recht, Wirtschaft, Kulturwissenschaften) und der einzige Campus in Europa, der bewusst als deutsch-polnisch-osteuropäische Brücke positioniert ist. Jenseits von Viadrina und Stadtkirche ist Frankfurt (Oder) eine ruhige, gut zu Fuß zu erkundende Stadt mit der Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach (benannt nach Bachs Sohn, der hier an der ursprünglichen Universität studierte), dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst, dem Lennépark und dem Kleistpark mit seinen alten Platanen und dem Helenesee fünf Kilometer südlich für das sommerliche Baden. Der weitere Landkreis Märkisch-Oderland reicht nördlich bis in den Naturpark Märkische Schweiz, jene sanfte Endmoränenlandschaft aus Seen und Wäldern, die Theodor Fontane in den 'Wanderungen durch die Mark Brandenburg' verewigt hat. Bahn: RE1 nach Berlin Hauptbahnhof in rund 75 Minuten im Stundentakt; der Berlin-Warschau-EuroCity hält zweimal täglich.

Frankfurt (Oder) entdecken

Frankfurt (Oder) und Słubice waren bis 1945 eine einzige Stadt, bis die Potsdamer Konferenz die deutsch-polnische Nachkriegsgrenze entlang von Oder und Neiße festlegte. Słubice — die historische Frankfurter Vorstadt am östlichen Oderufer — wurde polnisch; Frankfurt (Oder) am westlichen Ufer blieb deutsch. Seit 1991 sind die beiden Städte staatsvertraglich verschwistert, und seit dem Beitritt Polens zum Schengen-Raum 2007 ist die Stadtbrücke (ursprünglich 1895, nach dem Krieg 1949 wieder aufgebaut) ein freier Fuß- und Fahrzeugverkehr. Eine Frankfurterin oder ein Słubicer Einwohner überquert die Brücke mehrmals täglich — zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Abendessen oder zu Vorlesungen an der Viadrina; das Collegium Polonicum auf der Słubicer Seite gehört zur gemeinsamen Hochschule, und die Buslinie 983 verkehrt im 20-Minuten-Takt zwischen den beiden Stadtzentren. Der Spaziergang über die Stadtbrücke dauert zehn Minuten; auf der polnischen Seite haben der unmittelbar anschließende Plac Bohaterów und der Słubicer Markt deutlich günstigere Preise für Restaurants, Friseure, Tabakwaren und Kraftstoff. Der grenzüberschreitende Frankfurt-Słubicer Bus, das gemeinsame städtische Sinfonieorchester, das deutsch-polnische Festival Unithea jeden Juni (ein experimentelles Theaterfestival in beiden Sprachen) und das gemeinsame Kulturzentrum am Brückenplatz unterstreichen die binationale Identität. Frankfurts Marktplatz und der polnische Markt jenseits der Brücke ergänzen einander direkt — Supermarktgänge nach Słubice gehören zum Frankfurter Alltag.